Geschichte des Gemeindeamtes

Das Gemeindeamt ist ein eindrucksvolles, vierstöckiges Gebäude und neben der Pfarrkirche St. Luzius der beherrschende Mittelpunkt des Göfner Dorfzentrums.

Es ist umgeben von weiteren öffentlichen, kirchlichen, kulturellen  und wirtschaftlichen Einrichtungen wie Arzt- und Bankgebäude, Postamt, Altenwohnheim, Volksschule, Kindergarten, Pfarr- und Gemeindebücherei, Spargeschäft, Sebastianskapelle (Totenkapelle) und dem Konsumgebäude, das im Jahre 2004 umgebaut wurde und in dem ein Gastlokal, eine Trafik, ein Frisörsalon, ein Massageinstitut, eine Fachwerkstätte für Kopier- und Faxgeräte sowie ein kleiner Veranstaltungssaal und das Gemeindearchiv untergebracht sind. Damit hat die Gemeinde Göfis in den letzten Jahrzehnten ein Ortszentrum geschaffen, auf das sie mit Recht stolz sein kann.

Errichtet als Pfarrhof
Dieses rund 210 Jahre alte Gebäude kann auf eine wahrlich äußerst wechselvolle Geschichte zurückblicken. Erbaut wurde es 1792 als Pfarrhof mit Landwirtschaft unter dem damaligen Pfarrer Leonhard Andreas Fuetscher, Pfarrer in Göfis von 1783 bis 1805.

Über den Bau des neuen Pfarrhofes ist Folgendes bekannt:

  • Pfarrer Fuetscher fand bei seinem Amtsantritt sowohl Kirche als auch Pfarrhaus und Ökonomiegebäude  in sehr schlechtem Zustand vor. Über den Bau des Pfarrhofs hat er folgende Aufzeichnungen hinterlassen:
  • Die Kosten des Neubaus von 4.200 fl wurden durch die Ersparnisse während der Vakantur der Pfarre nach dem Tode von Pfarrer Franz Josef von Zwickle im Jahre 1780, Pfarrer in Göfis von 1745 bis 1780, (1934 fl) durch den Verkauf des alten Pfarrhofs (243 fl), durch einen Beitrag des Domkapitels (650 fl) und ein Darlehen vom Pfarrer selber in der Höhe von 1.373 fl bestritten.
  • Die Gemeinde wurde vom Vogteiamt Feldkirch zur Stellung von Bauholz und zur Leistung der Frondienste verurteilt: Die Frohninstrumente - und zwar die gebräuchlicheren - brachten die Bauern mit sich, die sonderheitlichen aber schaffte die Gemeinde an. Die Gemeinde besoldete auch den Aufseher der Frohnen, welcher auch die Fröhner auf den folgenden Tag einberufte. Ich, der Pfarrer, gabe täglich dem Frohner 1 Maaß Wein, bisweilen etwas mehr, etwa auch Käß, Brot etc. ...Es ist dabei auch anzumerken, daß, wo der Pfarrhof dermalen stehet, ehevor der Pferd und Viehstall gestanden ist. Daß die Tanzlauben dem Pfarrhof das Licht nicht zu stark benehme, war ich genöthiget worden, mit dem Bau rückwerts zu gehen, allso zwar, daß entzwischen dem Pfarrhofe und der Tanzlauben zu dem Pfarrhofe noch 7½ Schuh Boden gehören, welche mein Titl. Herrn Nachfolger nach ihrem Belieben nutzen mögen. (Duelli Seite 124)
  • Die Dachziegel des neuen Widums stammten übrigens vom aufgelassenen und zum Abbruch versteigerten Kloster Valduna. Pfarrer Fuetscher kaufte davon im Jahr 1789 von Martin Mayer aus Feldkirch 8.662 Stück.
  • Zu diesem Pfarrhof, dem heutigen Gemeindeamt, wurden dann auch noch ein Stall und ein Wirtschaftsgebäude erbaut, das später zum Spritzenhaus umfunktioniert wurde und dann einem Geschäftshaus, der Erweiterung des Konsumgebäudes, weichen musste.


Volksschule und Armenhaus
Pfarrer Johann Mayer, Pfarrer in Göfis von 1859 bis 1893, ließ knapp 100 Jahre später um 1882 den neuen kleinen Pfarrhof durch die Gemeinde Göfis errichten. Er übergab für den neuen Pfarrhof – damaliger Wert 7.661fl 60kr - den alten im Wert 8.414fl 60kr an die Gemeinde, die ihn ab dieser Zeit als Schul- und Armenhaus verwendete.

Rapp beschreibt es in Band 2 im Jahre 1894 so: Das  jetzige Schulhaus in Göfis war vormals Pfarrhof und ist ein ansehnliches, geräumiges Gebäude; ein Theil davon, getrennt vom Schullokal, wird als Armenhaus benützt. Die Schule in Göfis wird von den schulpflichtigen Kindern dieses Dorfes (Anm.: die Parzellen Kirchdorf, Ober- und Unterdorf) und von Hofen, Schildried und Stein besucht. Der Unterlehrer dieser Schule versah früher auch zugleich den Mesnerdienst. Jetzt (seit Herbst 1893) ist an der unteren Klasse eine Lehrerin angestellt, welche im Schulhause wohnt.

Nachdem im Jahre 1960 in Kirchdorf eine neue Volksschule errichtet worden war, wurden die Räumlichkeiten zu Wohnungen ausgebaut und ab dem 27. Mai 1963 das erste Postamt in Göfis eröffnet. Auch der Gemeindearzt ordinierte an bestimmten Wochentagen.

Gemeindeamt seit 1985
Infolge der zunehmenden Verwaltungstätigkeit wurde das bestehende Gemeindeamt unzulänglich und die Gemeindevertretung sah das denkmalgeschützte Haus für die künftige Verwaltung vor. Die Außenfassade wurde auf den ursprünglichen Zustand zurückgeführt, innen musste das Gebäude ausgehöhlt und neu konzipiert werden. Mit Planung und Bauleitung wurde das Architekturbüro Helmuth Rainer aus Feldkirch beauftragt.

Bei der Eröffnung des neuen Gemeinde- und Postamtes am 22. Juni 1985 konnte Bürgermeister Rudolf Lampert die zahlreich erschienene Göfner Bevölkerung sowie verschiedene Ehrengäste, unter anderem Landeshauptmann Dr. Herbert Kessler, begrüßen. Die Einweihung nahm Pfarrer Mag. Elmar Simma vor.

Im Jahr 1992 wurde ein Personenlift eingebaut und im Jahr 2003 der rund 210 Jahre alte Gewölbekeller saniert, der sich nun für Veranstaltungen verschiedenster Art eignet und den Abschluss des Ausbaues des Gemeindeamtes bildet.

Die Hausbewohner benützten den Keller nach dem Zweiten Weltkrieg bis Ende der 70er-Jahre zur Lagerung von Obst, Wein, Gemüse und Kartoffeln. Der Sennerei Kirchdorf diente er zur Bearbeitung von Sauerkäse; er wurde dort bearbeitet, bis zur Reife gelagert und dann an die Gasthäuser und Geschäfte in Göfis und der umliegenden Gemeinden verkauft.