Von früher erzählt

27.05.2026 – Ein Abend voller Erinnerungen mit Herbert Geringer Göfner bugo

Das vollbesetzte bugo bildete am Mittwochabend den passenden Rahmen für eine eindrückliche Zeitreise: Herbert Geringer, 82 Jahre alt, erzählte im Gespräch mit Margareta Baldessari aus seinem bewegten Leben und spannte dabei einen weiten Bogen von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Unter dem Titel „Von früher erzählt“ standen insbesondere seine Kindheit und Jugend am Landwirtschaftshof der Valduna in Tufers im Mittelpunkt.

Herbert Geringer kam als Kind mit seinen Eltern aus dem Banat – aus Weschetz, heute zu Vršac in Serbien gehörend – nach Vorarlberg. Die Familie fand in der Nachkriegszeit in Tufers eine neue Heimat. Sein Vater, der Diplom-Ingenieur Josef Geringer, hatte sein Studium an der Hochschule für Bodenkultur in Wien abgeschlossen und wurde während der Besatzungszeit nach Tufers beordert. In den Jahren nach dem Krieg, als die Lebensmittelproduktion von größter Bedeutung war, wirkte er als Agrarökonom am Gut Tufers und am Sennhof. Besonders der Gemüseanbau und die Schädlingsbekämpfung standen dabei im Fokus.

In seinen lebendigen Schilderungen ließ Herbert Geringer die damalige Zeit wieder aufleben. Nach den schwierigen Jahren in Wien unter russischer Besatzung erschien ihm das Leben in Tufers als friedlich und geordnet. Die französische Besatzung wurde von ihm als vergleichsweise tolerant erlebt, und vor allem: Es gab ausreichend zu essen. Die Landwirtschaft sorgte für eine stabile Versorgungslage. Besonders prägend war für ihn das Zusammenleben der vielen Familien, die – oftmals selbst auf der Flucht – aus unterschiedlichsten Regionen zusammengekommen waren. Dieses Miteinander habe sich wie eine große Familie angefühlt, getragen von starkem Zusammenhalt, wenn auch nicht immer frei von unterschiedlichen Meinungen.

Neben persönlichen Erlebnissen streifte Geringer auch die Geschichte der Valduna selbst und verwies auf die Entwicklung „vom Kloster zum Gesundheitszentrum“. Dabei wurde deutlich, wie eng seine eigene Biografie mit diesem Ort verbunden ist.

Mit großer Offenheit, Dankbarkeit und spürbarer Empathie erzählte Herbert Geringer aus seinem Leben. Er reflektierte dabei auch seine persönliche Motivation und prägte den Abend mit einem besonders ehrlichen Gedanken: „Ich versuche, meinem eigenen Leben zuzuschauen und bin zu dem Schluss gekommen, dass die Triebfeder sicher mein Vater war – und innerlich, dass ich ihn übertreffen wollte.“

Margareta Baldessari führte souverän und einfühlsam durch das Gespräch und verstand es, die Erinnerungen ihres Gastes gekonnt herauszuarbeiten und dem Publikum zugänglich zu machen. So entwickelte sich ein Abend, der nicht nur von individuellen Lebensgeschichten geprägt war, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte lebendig werden ließ.

Das große Interesse zeigte sich nicht zuletzt in der voll besetzten Veranstaltung. Im Anschluss nutzten viele Besucherinnen und Besucher die Gelegenheit zum persönlichen Austausch – und bald wurde der Abend zu einem gemeinsamen Erinnern daran, wie es früher einmal war.

 

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