Abschied(e)

von Julian Barnes

Julian Barnes’ neuestes Werk Abschied(e)  ist ein luzides, unsentimentales und zugleich tief bewegendes Altersbuch. Der 80-jährige Autor blickt hier – konfrontiert mit einer potenziell tödlichen, aber „beherrschbaren“ Blutkrebserkrankung – mit scharfem Verstand und feinem Humor auf sein Leben und seine Erinnerung zurück. In diesem Hybrid aus autobiografischen Reflexionen, essayistischen Überlegungen und fiktionalen Elementen thematisiert Barnes das Unzuverlässige der Erinnerung, die Zerbrechlichkeit der Liebe, die Zumutungen des Alterns und den Abschied in all seinen Formen. 

Die literarische Kraft des Buches liegt in seiner radikalen Klarheit: Barnes verzichtet auf jede Form von Trost und öffnet stattdessen den Blick auf die „Nachzeit“ – jene Phase, in der das Biografische langsam im Nebel der verblassenden Erinnerungen verschwindet. Mit intellektueller Präzision, trockener Ironie und einer Eleganz, die längst zu seinem Markenzeichen geworden ist, entsteht ein Buch, das gleichermaßen Bilanz, Vermächtnis und ein letzter Dialog mit seinen Lesern ist.
 

Julian Barnes

wirkt wie jemand, der stets mit einem Fuß in der Welt lebt und mit dem anderen in der Literatur. Er geht nicht, er gleitet – durch Straßen, durch Erinnerungen, durch die Schichten der Zeit. Ein englischer Gentleman des Denkens, der seit den 1980er Jahren seine Leserinnen und Leser mit Büchern begleitet, deren Eleganz sich nie aufdrängt, sondern leise, fast flüsternd wirkt.

In Abschied(e) zeigt sich Barnes als einer, der seine Geschichte kennt – und der weiß, dass sie ihm ebenso entgleitet wie jedem anderen. Seine Erinnerungen prüft er wie ein Archivar, der zugleich weiß, dass das eigene Gedächtnis ein unzuverlässiger Zeuge ist. Er steht da wie jemand, der den Raum des Lebens beleuchtet, während die Schatten länger werden. Und doch bleibt sein Blick wach, scharf, voller Witz: Selbst im Nachdenken über Krankheit, Tod und Vergänglichkeit spart er nicht mit Ironie, als wolle er dem Schicksal ein letztes Mal die Zunge herausstrecken. 

Barnes ist ein Romancier der feinen Risse, des leisen Knirschens zwischen Erinnerung und Wahrheit. Er ist ein Sammler von Lebenssplittern. Seine Figuren – seien sie Freunde aus Oxford oder Liebende, die sich nach Jahrzehnten erneut begegnen – tragen die Spuren seines eigenen Ringens mit der Frage, was im Leben wichtig bleibt. Sein Schreiben ist ein Spaziergang durch die Vergänglichkeit mit einem Mann, der sich weigert, zu sentimental zu werden, und der doch in jeder Zeile seine Verletzlichkeit preisgibt.

So erscheint Julian Barnes in diesem Buch wie jemand, der zwischen Anfang und Ende steht und mit unbestechlicher Klarheit auf beide Seiten blickt – ein Schriftsteller, der sich nicht verabschiedet, um zu verschwinden, sondern um noch einmal sichtbar zu machen, wie kostbar und zerbrechlich das Erinnern ist.

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