Lesung mit Sarah Kuratle begeisterte und berührte gleichermaßen im Göfner bugo
Die Autorin Sarah Kuratle präsentierte bei der Lesung mit Musik in der bugo Bücherei Göfis Auszüge aus ihrem aktuellen Roman Chimäre, begleitet von der Harfenistin Magdalena Venier. Gemeinsam schufen sie einen Abend, der weit über eine klassische Lesung hinausging und das Publikum tief berührte.
Schon in der Begrüßung gelang es Claudio Bechter, einen einfühlsamen Zugang zum Werk und zur Autorin zu eröffnen. Mit präzisen Worten führte er in die Thematik des Romans ein und verortete Kuratles Schreiben zwischen poetischer Sprachkraft und den drängenden Fragen unserer Zeit. So vorbereitet, konnte sich das Publikum unmittelbar auf die vielschichtige Erzählwelt von Chimäre einlassen.
Sarah Kuratle las ausgewählte Passagen mit großer Intensität. Ihre Stimme verlieh dem Text beinahe etwas Musikalisches – ruhig, rhythmisch, mit einem feinen Gespür für die lyrische Qualität ihrer Sprache. Die Geschichte um die Inselgemeinschaft, die um den Erhalt der Artenvielfalt ringt, und um Alice, die sich als Alois ausgibt und schließlich aufbricht, um sich selbst zu finden, entfaltete sich in eindringlichen Bildern. Kuratles Vortrag ließ die Fragilität der geschilderten Welt ebenso spürbar werden wie die innere Suche ihrer Figuren nach Identität, Zugehörigkeit und Liebe.
Magdalena Venier ergänzte die Lesung an der Harfe mit großer Sensibilität. Ihre musikalischen Interventionen wirkten nie aufgesetzt, sondern schufen vielmehr Übergänge, vertieften Stimmungen und gaben dem Gehörten Raum zum Nachklingen. Die feinen, oft schwebenden Klänge der Harfe standen in einem intensiven Dialog mit Kuratles Text und verstärkten dessen poetische Wirkung.
Besonders eindrücklich war das Wechselspiel zwischen den beiden Ebenen: Während Alice durch verwundete Landschaften streift und sich auf die Suche nach sich selbst begibt, bleibt Gregor auf der Insel zurück, ringt mit Trauma und Verlust und versucht, seine Erfahrungen zeichnend zu verarbeiten. Diese innere Zerrissenheit wurde in der Lesung spürbar und hallte im Zusammenspiel von Stimme und Musik lange nach.
Der Abend zeichnete sich insgesamt durch eine große Dichte und Stimmigkeit aus. Literatur und Musik verbanden sich zu einem eindringlichen Gesamterlebnis, das die Zuhörenden nicht nur intellektuell, sondern auch emotional erreichte. Die Lesung von Chimäre in der bugo Bücherei Göfis bleibt als besonders stimmungsvolle und berührende Veranstaltung in Erinnerung.